Prüfungsblackout beim Kind: kein Wissensproblem

Prüfungsblackout beim Kind: kein Wissensproblem

Ein Prüfungsblackout beim Kind ist fast nie ein Wissensproblem. Ihr Kind weiss den Stoff, es kommt in der Prüfung nur nicht daran. Deshalb ist mehr Lernen die falsche Antwort: Sie erhöhen damit den Vorrat, nicht den Zugriff. Was Ihr Kind braucht, ist ein Umgang mit der Anspannung, die den Zugriff blockiert.

Die übliche Reaktion sieht anders aus. Nach einer verpatzten Prüfung wird die Lernzeit verlängert, es kommt Nachhilfe dazu, und abends wird am Küchentisch noch eine Runde geübt. Das ist gut gemeint und trifft die Ursache nicht. Ein Kind, das mehr lernt und trotzdem wieder abstürzt, zieht daraus nämlich einen anderen Schluss als Sie: Es schliesst nicht auf die Methode, sondern auf sich selbst, und genau so entsteht ein Kind, das sich nichts mehr zutraut.

Der Beweis liegt längst bei Ihnen zu Hause

Sie fragen den Stoff am Abend vor der Prüfung ab, und Ihr Kind antwortet richtig. Damit ist die Frage eigentlich beantwortet.

Was am nächsten Morgen dazukommt, ist kein Unwissen, sondern Anspannung. Die Uhr läuft, das Blatt ist leer, ringsum schreiben alle schon. Aufmerksamkeit ist begrenzt, und was auf die Bedrohung geht, fehlt beim Suchen im Gedächtnis. Pro Juventute führt Prüfungsangst darum unter den Zeichen von Schulstress auf, nicht unter den Zeichen schlechter Vorbereitung. Gemäss der Pro Juventute Jugendstudie fühlt sich in der Schweiz ein Drittel der Kinder und Jugendlichen gestresst. Was dabei im Kopf passiert, steht ausführlicher unter Blackout bei Kindern: wenn der Kopf leer wird.

Üben Sie die Prüfung, nicht nur den Stoff

Wenn der Zugriff das Problem ist, muss der Zugriff geübt werden. Stoff wiederholen trainiert das Wissen. Unter Prüfungsbedingungen arbeiten trainiert das Abrufen: begrenzte Zeit, nichts nachschlagen, am Stück, allein am Tisch. Das ist unbequem, und darum wirkt es. Ihr Kind erlebt die Anspannung einmal in einer Lage, in der nichts davon abhängt.

Dazu gehört ein kurzer Ablauf für den Moment, in dem es trotzdem leer wird. Zweimal ruhig ausatmen. Die leichteste Aufgabe zuerst lösen, egal wo auf dem Blatt sie steht. Erst danach zurück zur ersten Frage. Kinder brauchen dafür einen eigenen Satz, den sie sich selbst sagen, und sie brauchen ihn vorher geübt, nicht mitten in der Prüfung erklärt.

Die Probe-Prüfung zu Hause

  • Zeit begrenzen, so lang wie die echte Prüfung dauert
  • Nichts nachschlagen, nichts fragen, am Stück durcharbeiten
  • Danach zuerst besprechen, was beim Abrufen passiert ist, nicht die Fehler
  • Einen Satz vereinbaren, den das Kind sagt, wenn der Kopf leer wird
Vier Punkte, einmal pro Woche in einer Prüfungsphase.

Das heisst: Sie üben nicht mehr Stoff, sondern die Situation. Deshalb ändern zusätzliche Nachhilfestunden bei einem Kind mit Blackouts oft nichts. Sie vergrössern den Vorrat und lassen den Zugriff, wie er war.

Manchmal ist es doch eine Lücke, und das müssen Sie merken

Der stärkste Einwand gegen alles bisher: Manche Eltern nennen Blackout, was schlicht eine Wissenslücke ist. Das kommt vor, und die Verwechslung ist teuer. Ein Kind, das den Stoff nie sicher konnte, braucht Nachhilfe und kein Mentaltraining. Prüfen lässt sich der Unterschied trotzdem, und zwar ohne Fachwissen: Fragen Sie den Stoff ein paar Tage nach der Prüfung noch einmal ab, in Ruhe, ohne Zuschauer, ohne Note.

BeobachtungWissenslückePrüfungsblackout
Abfragen in Ruhe, Tage späterDie Antworten fehlen weiterhinDie Antworten kommen sofort
Während der PrüfungDas Kind schreibt FalschesDas Kind schreibt gar nichts
Nach der PrüfungDas Kind weiss nicht, was gefragt warDas Kind weiss die Antworten auf dem Heimweg

Das heisst: Klären Sie zuerst, welche der beiden Spalten Ihr Kind beschreibt. Diese Antwort entscheidet, ob Nachhilfe oder der Umgang mit Anspannung das Richtige ist, und nicht das Bauchgefühl nach der nächsten schlechten Note.

Nicht jedes Kind mit einem leeren Kopf braucht ein Training. Schläft Ihr Kind über Wochen schlecht, klagt regelmässig über Bauchschmerzen oder will es gar nicht mehr zur Schule, gehört das ärztlich oder psychologisch abgeklärt: Mentaltraining ersetzt keine Behandlung, und die Psychotherapie ist in der Schweiz ein gesetzlich geregelter Beruf.

Verlängern Sie vor der nächsten Prüfung also nicht die Lernzeit. Setzen Sie stattdessen eine Probe-Prüfung unter echten Bedingungen an und sprechen Sie danach über den Moment, in dem es eng wurde. Wie Sie das begleiten, ohne neuen Druck aufzubauen, steht unter Kind bei Prüfungsstress helfen, ohne Druck zu machen.

Den Abruf unter Druck kann Ihr Kind üben, in kleinen Gruppen in St. Gallen: Holen Sie sich zuerst die Schritte für zu Hause, bevor Sie eine Stunde buchen.

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